DIETMAR LOEFFLER
MÄNNERBESCHAFFUNGS-MASSNAHMEN
Ein gar nicht so seltenes Phänomen ist das Singledasein von beruflich erfolgreichen Frauen. Aber eine Lösung ist in Sicht: Der Workshop »Männerbeschaffungsmaßnahmen« von Diplompsychologin Christiane Pschorauer!>> mehr Zu Gast bei der Kursleiterin und ihrem Pianisten sind Scheidungsanwältin Angela, die Flugbegleiterin Chantal, die Pharmareferentin Sabine und eine durchgeknallte Göre namens Laura. Sie alle wollen sich von der partnerschaftlichen Tristesse, in der sie gefangen sind, befreien. Ziel des Workshops ist es, die weibliche Ausstrahlung durch die Kraft des Gesangs neu zu definieren. »Singen ist Pflicht« lautet demzufolge das Motto der Männerbeschaffungsmaßnahmen.<< ausblenden
INSZENIERUNG: MICHAEL HEICKS
PREMIERE: 4. SEPTEMBER 2009
THEATER AM ALTEN MARKT
Theater am alten Markt
Das Theater am alten Markt – kurz TAM – verfügt über 300 Sitzplätze und wurde 1950 mit der Shakespearekomödie »Viel Lärm um nichts« eröffnet. Damit erhielt das Bielefelder Schauspiel fünf Jahre nach Kriegsende seine erste eigene Spielstätte. Baubeginn des kleinen Hauses der Städtischen Bühnen war, nach einer durch den Umbau im 20. Jahrhundert verdeckten Inschrift, das Jahr 1538.>> mehr Die Fassade mit Treppengiebel war ursprünglich der Niedernstraße zuge-wandt. In Höhe des ersten Stockwerks befand sich ein Relief von Adam und Eva mit der Jahreszahl 1562. Das Kunstwerk ist heute in den Verwaltungsneubau des Rathauses integriert. Im Jahre 1820 wurde die alte Fassade des spätgotischen Rathauses abgerissen und erhielt ein schlichtes klassizistisches Antlitz. Im 19. Jahrhundert befanden sich im Gebäude eine Polizeiwache mit einer kleinen Arreststube, im ersten Stockwerk der Bürgermeister und die Administration und darüber das Land – und Stadtgericht. 1944 wurde das TAM schwer von Bomben getroffen und vier Jahre nach Kriegsende wiedererrichtet.<< ausblenden
SOPHOKLES
ANTIGONE
Da wagt es jemand, ein Individuum zu sein!
Antigone, Tochter des Königs Ödipus von Theben, begleitete ihren Vater ins Exil, kehrte aber nach seinem Tod nach Theben zurück.
Im Streit um den Thron töteten sich ihre Brüder, Eteokles und Polyneikes, gegenseitig im Kampf. Kreon, Onkel der Antigone und Vater ihres
Verlobten Haimon, ergreift die Herrschaft in der Stadt und erlässt ein Bestattungsverbot für den Staatsfeind Polyneikes, während Eteokles in Ehren begraben wird.
Antigone aber stellt die Liebe zu ihrem Bruder über das geltende Gesetz.>> mehr
Gegen Kreons Verbot folgt sie ihrem Gewissen und beerdigt den Bruder, was ihr eigenes Todesurteil bedeutet.
Kreon versucht, Antigone von der Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens zu überzeugen, um sie vor dem Tode zu bewahren. Aber alle Argumente nützen nichts.
Sie erhängt sich in dem Grab des Bruders, und ihr Geliebter Haimon und Kreons Gemahlin Eurydike töten sich selbst vor Gram.
In der Antigone, einem der bedeutendsten antiken Stoffe, formuliert Sophokles ein ewiges Thema: den Kampf zwischen erwachsener Vernunft und jugendlichem Aufbegehren,
zwischen gesellschaftlichen Ordnungsprinzipien und rücksichtslosem Individualismus, zwischen Menschenrecht und göttlichem Recht, zwischen Familie und Staat.
Existieren Gesetze jenseits jeglicher Wertvorstellungen und Moral, und wenn ja, müssen diese dann rückhaltlos verfolgt werden?
Woher nimmt Kreon das Recht, Gerechtigkeit zu definieren und woher nimmt Antigone die Legitimation für ihren Widerstand?<< ausblenden
INSZENIERUNG: CHRISTIAN SCHLÜTER
PREMIERE: 11. SEPTEMBER 2009
STADTTHEATER BIELEFELD
NIGEL WILLIAMS
KLASSEN FEIND
Das Klassenzimmer ist verwüstet. Darin: sechs Schüler und kein Lehrer. Sie sind allein. Unter sich. Niemand traut sich mehr hinein. Ratlosigkeit entlädt sich in Gewalt. Die Schüler zerstören ihre Tische und Stühle. Verbarrikadieren sich schließlich, als einer von ihnen auf die Idee kommt, man könne sich doch gegenseitig unterrichten. Die Unterrichtsthemen lauten: »Gangsta-Rap«, »Sex« und »Wie man der Boss ist«.>> mehr Hinter dieser latenten und offenen Gewalt stehen Verletzungen, aufgestaute Aggressionen und der Kampf um Anerkennung. Denn das Spektrum ihres Erfahrungsschatzes besteht allein aus Frustration, Gewalt, allerlei Ängsten, Rassismus und Schwulenfeindlichkeit. Und sie suchen eigentlich nur die Antwort auf eine Frage: »Warum sind wir hier und wer hat das verbockt?« Nigel Williams verarbeitet in diesem Stück seine eigenen Erfahrungen als Lehrer. Williams wurde 1948 in Cheshire in England geboren und wuchs im Norden Londons auf. Mit seinem Stück Klassen Feind (Class Enemy) gelang ihm der internationale Durchbruch. Es wurde 1978 am Royal Court Theatre in London uraufgeführt. Williams erhielt dafür den Preis für das erfolgreichste Bühnenstück des Jahres 1978.<< ausblenden
INSZENIERUNG: ORAZIO ZAMBELLETTI
PREMIERE: 12. SEPTEMBER 2009
THEATER AM ALTEN MARKT
WILFRIED N'SONDE
DAS HERZ DER LEOPARDENKINDER
Zusammengeschlagen und eines Verbrechens angeklagt, an das er sich kaum erinnert, findet sich ein junger Schwarzer auf einer Polizeiwache wieder. In einem Rausch der Verzweiflung und Verlassenheit hat er etwas getan, was er nicht mehr rückgängig machen kann. Doch aus der tiefsten Erniedrigung einer Gefängniszelle erhebt sich ein Chor von Stimmen.>> mehr Da ist die hellhäutige Mireille, die ihn verlassen hat. Und da ist Drissa, sein Blutsbruder, der die Gewalt gegen sich selbst kehrt. In die mächtigen Erinnerungen mischen sich immer wieder die Stimmen der Ahnen.<< ausblenden
INSZENIERUNG UND KOSTÜME: FRANZISKA HENSCHEL
PREMIERE: 3. OKTOBER 2009
TAM ZWEI
CHRISTOPHER HAMPTON
GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN
Im vorrevolutionären Frankreich des Jahres 1782 wird die verwitwete Marquise de Merteuil von ihrem Liebhaber Comte Gercourt verlassen, weil der die junge Cécile heiraten will. Um sich zu rächen, bittet Merteuil ihren Freund Vicomte de Valmont, Cécile zu verführen und noch vor der Hochzeit zu entjungfern. Als Gegenleistung fordert Valmont eine Liebesnacht mit der Merteuil.>> mehr Für den in der Pariser Gesellschaft für seine Verführungskünste berüchtigten Valmont ist Cécile ein leichtes Opfer. Aus diesem Grund stellt er sich selbst zusätzlich die viel schwierigere Aufgabe, auch noch die verheiratete, strenggläubige und hochmoralische Madame de Tourvel zu verführen, die seinem Charme und Aussehen schließlich nachgibt. Als ihm beide Frauen zu Füßen liegen, fordert er von Merteuil den versprochenen Tribut. Doch die Marquise verweigert sich dem Verführer und zettelt eine neue Intrige gegen Valmont selbst an. Das Stück ist ein Sittengemälde über den Werteverfall im Ancien Régime, in dem die beiden Hauptfiguren ihre Mitmenschen nur aus einem einzigen Grund ins Verderben reißen: Weil sie es können.<< ausblenden
INSZENIERUNG: ALEXANDER TULL
PREMIERE: 23. OKTOBER 2009
THEATER AM ALTEN MARKT
ASTRID LINDGREN
RONJA RÄUBERTOCHTER
Freundschaft überwindet alle Grenzen, hohe Mauern und sogar tiefe Abgründe. Abgrundtief ist auch der »Höllenschlund« zwischen den beiden Burgen der Räuberbanden um den Räuberhauptmann Mattis auf der einen und der feindlichen Sippe der Borkaräuber auf der anderen Seite. Und deswegen darf Ronja, Mattis' Tochter, auch nicht mit dem gleichaltrigen Birk spielen, dem Sohn des Borka.So muss Ronja allein durch den wilden Räuberwald streunen.>> mehr Auf ihren Streifzügen lernt sie die Schönheit, aber auch die Gefahren des Waldes und dessen unheimliche Geschöpfe kennen. Da schlagen Graugnome um sich, drohen Grausedruden und lauern Rumpelwichte unter der Erde. Aber eines verschneiten Wintertags laufen sich die beiden Kinder doch über den Weg. Und dann muss Birk der Räubertochter sogar das Leben retten, weil Ronja beim Skilaufen mit dem Fuß in ein Erdloch einbricht und stecken bleibt. Von da an ist die Freundschaft für immer besiegelt. Nichts kann die beiden mehr trennen, auch nicht der Zorn ihrer Väter. Und am Schluss gelingt es ihnen sogar, die zerstrittenen Räuberbanden zu vereinen.<< ausblenden
INSZENIERUNG: ROLAND HÜVE
PREMIERE: 21. NOVEMBER 2009
STADTTHEATER BIELEFELD
CHRISTIAN GUNDLACH
BIS NACH BATANG!
Hubert ist Rentner – einer von der verschrobenen Sorte. Er lebt in einer Einzimmerwohnung mit 54 Flaschenschiffen, und einem Stoffpapagei, mit dem er sich unterhält. Eines Tages bricht Alex in Huberts Leben ein. Er ist Anfang 20 und wurde zu Sozialstunden verdonnert, weil er ein Motorboot geklaut und es gegen eine Kaimauer gesetzt hat. Seitdem sitzt das Mädchen, dem er mit der Spritztour imponieren wollte, im Rollstuhl.>> mehr Hubert ist von dem Besuch gar nicht begeistert und lässt Alex auch nicht seine Flaschenschiffe putzen. Doch Alex beißt die Zähne zusammen und schwingt den Staubsauger, auch wenn er das nicht besonders männlich findet. Huberts Macken werden immer verschrobener und irgendwann verschieben sich die Realitäten: Ist dem Alten klar, dass Paul nur ein Stoffpapagei ist? Hat er tatsächlich früher als Matrose angeheuert, und gibt es dieses Batang eigentlich wirklich? Irgendwann kriegt er die einfachsten Dinge des Alltags nicht mehr geregelt und Alex wird klar, dass Hubert die letzte große Reise in seinem Leben längst angetreten hat. Einmal noch möchte Hubert wirklich nach Batang, und Alex würde ihm so gern dabei helfen. Doch die Zeit wird immer knapper – und zwar nicht nur für seinen alten Freund.<< ausblenden
INSZENIERUNG: PETER KIRSCHKE
PREMIERE: 27. NOVEMBER 2009
TAM ZWEI
JOHANN WOLFGANG VON GOETHE
CLAVIGO
Clavigo liebt Marie. Aber zugleich liebt der Dichter und Archivarius des Königs die Poesie, den Ruhm und die Anerkennung. Er will privates und öffentliches Glück in friedlicher Gemeinsamkeit der beiden Pole. Doch wie geht das? Auf der einen Seite lockt Macht durch Poesie, unterstützt und gefördert von seinem Freund Carlos. Auf der anderen lockt die Liebe zu Marie Beaumarchais, einer empfindsamen, jedoch einfluss – und mittellosen Französin.>> mehr Clavigos Poesie wuchs in ihrer Gegenwart, und ihre Liebe blühte durch den intellektuellen Austausch. Eine gleichberechtigte Partnerschaft in aufgeklärter Denkungsart. Carlos aber, der die geheimen Mechanismen der Staatsmaschinerie kennt, macht Clavigo klar, dass der spanische Hof den Bruch mit der Französin fordert. Clavigos innerer Quell versiegt. Er kann in dieser Gesellschaft nicht beides haben. Aber er will die Karriere und er will Marie. 1774 schrieb Goethe in acht Tagen das Stück nieder, animiert von den soeben erschienenen Memoiren Beaumarchais', der seine Schwester zu rächen suchte. Die aus Ehrgeiz verlassene Marie verweist auf eine seiner Liebschaften, Friederike Brion, die nach der Verlobung überstürzt von Goethe verlassen wurde. Dieses Trauerspiel wird bestimmt von dem unvereinbaren Gegenüber von Karriere und Liebe, von Verrat und Rache, Liebe und Hass, von erloschenen und nur zu gern wieder beschworenen Leidenschaften – und natürlich von der verhängnisvollen Unbeständigkeit des Gefühls. Clavigo und Marie bleiben in diesem hochintelligenten Seelenreigen auf der Strecke.<< ausblenden
INSZENIERUNG: DARIUSZ YAZDKHASTI
PREMIERE: 4. DEZEMBER 2009
THEATER AM ALTEN MARKT
KAY POLLACK
WIE IM HIMMEL
Manchmal muss erst ein Schicksalsschlag kommen, damit es einen wieder in die Heimat verschlägt. Auf einer Welttournee erleidet der Dirigent Daniel Dareus plötzlich einen Zusammenbruch, der ihn zu einer Pause zwingt. Er kehrt in sein Heimatdorf in Nordschweden zurück. Dort freut man sich über den berühmten Heimkehrer und überträgt ihm gleich die Leitung des angestaubten Kirchenchors. Doch Daniels unkonventionelle Arbeitsmethode stellt nicht nur den Chor, sondern das gesamte Dorf vor eine Herausforderung.>> mehr Seine Arbeit polarisiert die Bewohner, die sich in glühende Verehrer und wütende Feinde teilen. Der neue Chorleiter wird zu einem Katalysator für alte Sehnsüchte und lange schwelende Konflikte. Aber nach und nach schafft es Daniel mit seiner Musik, den Menschen Selbstachtung und Lebensfreude zurückzugeben. Und am Ende begreift er, dass er nicht nur die Herzen der Chormitglieder, sondern nun auch sein Herz für das Glück geöffnet hat. »Wie im Himmel« ist eine tief bewegende Geschichte über den Mut, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und sich dem Leben zu überlassen, wenn es anders kommt als geplant. Und natürlich ist es ein Stück über die Liebe, die immer die beste Heilung ist.<< ausblenden
INSZENIERUNG: MICHAEL HEICKS
WIEDERAUFNAHME: 12. DEZEMBER 2009
STADTTHEATER BIELEFELD
RICHARD ALFIERI
SECHS TANZSTUNDEN IN SECHS WOCHEN
Lily Harrison, 72, kultiviert, mit guter Witwenrente, aber einsam, bucht sich bei einer Agentur einen Tanzlehrer. Zu ihr ins Wohnzimmer kommt der ehemalige Broadway – Revuetänzer Michael Minetti. Er hat schlechte Manieren, ist mitten in der »Midlifecrisis«, schlagfertig und frech und ein wenig zickig. Lily ist von Michaels unverblümter Art gar nicht angetan, ist entschlossen, ihn sofort wieder aus ihrem Refugium zu werfen.>> mehr Doch beim wochenweisen Swing, Tango, Wiener Walzer, Fox – trott, Cha – Cha – Cha und Modern Dance kommen die beiden einander tanzschrittweise immer näher. Sechs Tanzstunden in sechs Wochen ist eine leichtfüßige Boulevardkomödie und ein charmantes Schauspiel mit Tiefgang, das mit einem liebevollen Augenzwinkern von zwei Außenseitern erzählt, die eigentlich mitten unter uns sind.<< ausblenden
INSZENIERUNG: ROLAND HÜVE
WIEDERAUFNAHME: 23. DEZEMBER 2009
THEATER AM ALTEN MARKT
TRACY LETTS
EINE FAMILIE
Der 69 – jährige Beverly Weston, einst preisgekrönter Dichter und Hochschullehrer, heute Pensionär und Vollzeitalkoholiker, hat genug. Seine Frau Violet ist krank und tablettensüchtig, und die Kinder haben das große Landhaus längst verlassen. Eine Haushalts – und Überlebenshilfe muss her. Und diese findet Beverly in der Indianerin Johnna. Doch dann verschwindet Beverly ganz plötzlich.>> mehr Violet muss den ganzen Familienclan herbeirufen. Und als das Familienoberhaupt tot aufgefunden wird, brechen alle Dämme: Barbara, die älteste Tochter, die die Seitensprünge ihres Mannes nicht mehr ertragen kann; Ivy, die mittlere, will ihre »verbotene Liebe« ausplaudern, und die Jüngste, Karen, will nach Florida. Und dann ist da noch Tante Mattie Fae, die seit 37 Jahren das dunkelste aller Geheimnisse in sich trägt, aber Violet weiß schon längst Bescheid. Tracy Letts hat mit »Eine Familie« (August: Osage County) ein modernes Familienepos mit einzigartigen Figuren und großem Wiedererkennungswert geschrieben.<< ausblenden
INSZENIERUNG: MICHAEL HEICKS
PREMIERE: 13. FEBRUAR 2010
STADTTHEATER BIELEFELD
STEVEN FECHTER
THE WOODSMAN
Walter wird nach zwölf Jahren verbüßter Gefängnisstrafe wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger auf Bewährung entlassen. Überwacht durch einen Polizeibeamten und betreut von einem Psychotherapeuten will er nichts lieber als ein normales Leben führen. Er findet Arbeit in einer Lagerhalle, und sein Leben erfährt eine hoffnungsvolle Wendung, als sich seine Kollegin Nikki auf eine Beziehung mit ihm einlässt, obwohl er ihr die volle Wahrheit offenbart.>> mehr Auch als Walter eine Wohnung gegenüber einer Grundschule bezieht, bleibt er stark und hält den ihm vorgeschriebenen Abstand ein. Doch eines Tages muss Walter erschrocken feststellen, dass es jemanden gibt, der so ist, wie er einmal war. The Woodsman ist ein Stück von Steven Fechter, das ein starkes humanes Anliegen formuliert. Ohne das Verbrechen zu verharmlosen, wird gezeigt, wie es dem Täter auch gelingen kann, nach abgebüßter Strafe, durch strenge Kontrolle einerseits und eigenen Willen und liebevolle Unterstützung andererseits, den »Wolf« in sich zu besiegen. Sowie The Woodsman der Jäger im amerikanischen Rotkäppchen.<< ausblenden
INSZENIERUNG: CHRISTIAN SCHLÜTER
PREMIERE: 26. MÄRZ 2010
THEATER AM ALTEN MARKT
ANNA SAM
DIE LEIDEN EINER JUNGEN KASSIERERIN
Eine Kassiererin im Supermarkt ist das Alltäglichste, was es gibt, und zugleich ist sie doch ein unbekanntes Wesen. Für die meisten reduziert sich ihre Existenz wohl auf das monotone Piepsen, das die Ware beim Schieben über den Scanner erzeugt auf einige lustlos wiederholte Redewendungen: »Ist das alles?« oder »Macht 9,99.« Mal ehrlich: Wann haben wir uns jemals Gedanken darüber gemacht, was diese Frauen, eingesperrt hinter ihrer Kasse empfinden und was sie vor allem über uns Kunden denken?>> mehr Denn niemand sieht Tag für Tag so viele unterschiedliche Menschen an sich vorbeiziehen wie eine Kassiererin. Und darum ist wohl niemand besser geeignet, eine Typologie des Alltagsmenschen anzufertigen: vom notorischen Stänkerer über den lästigen Fragensteller bis hin zum Möchtegern – Charmeur. Mit dem Buch Die Leiden einer jungen Kassiererin ist der französischen Literaturwissenschaftlerin Anna Sam, die nach dem Studium acht Jahre hinter einer Kasse arbeitete, ein Kleinod ironischer Menschenbeobachtung gelungen.<< ausblenden
PREMIERE: 10. APRIL 2010
TAM ZWEI
CARL ZUCKMAYER
DER HAUPTMANN VON KÖPENICK
Der heimatlose Schuhmacher Wilhelm Voigt steckt in der Zwickmühle. Weil er keine Aufenthaltspapiere hat, bekommt er keine Arbeit, ohne Arbeit gibt's aber auch keine Ausweispapiere. Er versucht, auf einem Polizeirevier einen Pass zu stehlen, wird erwischt und geht für zehn Jahre in den Bau. Als er aus dem Gefängnis kommt, ist die Situation dieselbe, wie zehn Jahre zuvor. Kein Pass, keine Arbeit – keine Arbeit, keinen Pass. Doch jetzt hat Voigt eine Idee, wie er den gordischen Knoten durchschlagen kann und doch an einen Pass herankommt.>> mehr Er zieht sich eine abgetragene Hauptmannsuniform an, übernimmt mit der Autorität der Uniform das Kommando über eine Schar Soldaten und besetzt mit ihnen kurzerhand das Rathaus von Köpernick. Sein schneidiges Auftreten und seine Kenntnis militärischer Verhaltensregeln spielen ihm ebenso in die Hände wie die Autoritätsgläubigkeit der Deutschen. Nur einen Pass, den gibt's auch auf dem Köpernicker Rathaus nicht. Über den Schuhmacher Wilhelm Voigt lachte Deutschland und die ganze Welt. Kaiser Wilhelm II. soll gesagt haben: »Da kann man sehen, was Disziplin heißt. Kein Volk der Erde macht uns das nach!« In dieser Realsatire verbindet Carl Zuckmayer in vollendeter Dramaturgie unausweichliche Schicksalhaftigkeit mit der authentischen Sprache des Berliner Milieus und Unterhaltung auf höchstem Niveau.<< ausblenden
INSZENIERUNG: MATTHIAS KASCHING
PREMIERE: 11. APRIL 2010
STADTTHEATER BIELEFELD
LEO TOLSTOJ
ANNA KARENINA
»Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich, jede unglückliche Familie aber ist auf ihre Art unglücklich.«
So beginnt einer der größten Liebesromane der russischen Weltliteratur. 1877/78 erschien Leo Tolstojs Romanepos über die Moral der russischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts.
Die unglückliche Liebe zwischen einer frustrierten Ehefrau und einem Offizier ist nur eine von drei tragischen Liebesgeschichten in Tolstojs Epos.>> mehr
Neben Annas unglücklicher Liebe
zu Wronskij und ihren moralischen Bindungen an Karenin erzählt der Roman auch das schwere Sichwiederfinden von Annas Bruder Oblonski und seiner Frau Dolly sowie die nicht standesgemäße
Liebe von Dollys Schwester Kitty zu dem Gutsbesitzer Lewin.
Dolly, Annas Schwägerin, wird von ihrem Ehemann mit dem Dienstmädchen betrogen. Zutiefst verletzt will sie die Scheidung. Doch Anna Karenina rät ihr, sich von ihrer Liebe leiten zu lassen.
Mit diesem Ratschlag gelingt ihr die Rettung der schon ruiniert geglaubten Ehe.
Kitty, jung und hoffnungsvoll kann sich zwischen Gefühl und gesellschaftlichen Normen nicht entscheiden. Sie hofft auf Unterstützung von Anna, doch die ist durch die Begegnung mit Wronskij
komplett aus der Bahn geworfen.<< ausblenden
PREMIERE: 28. MAI 2010
THEATER AM ALTEN MARKT
LARS VON TRIER
DER BOSS VOM GANZEN
Ravn ist Besitzer einer IT-Firma, die er gewinnbringend an den Isländer Finnur veräußern möchte. Das Rückgrat der Firma bilden sechs Mitarbeiter, die einfach nur »die Alten« genannt werden und seit der Gründung der Firma dabei sind. Um die Verantwortung für unpopuläre Entscheidungen abwälzen zu können, erfand Ravn einen nichtexistenten »Boss vom Ganzen« im fernen Amerika. Die Crux ist nun: Finnur besteht darauf, den Deal einzig mit dem Chef aus Amerika abzuschließen.>> mehr In seiner Not heuert Ravn den Schauspieler Kristoffer als »Boss vom Ganzen« an. Er soll im Konferenzraum seinen Text aufsagen, das Geschäft abnicken und auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Doch das Geschäft verzögert sich und Kristoffer begegnet »den Alten«, was zu absurden Verwicklungen führt. Gleichzeitig steigt dem ambitionierten Schauspieler seine Rolle zu Kopf. Als Kristoffer schließlich »den Boss vom Boss vom Ganzen« erfindet, ist das Chaos perfekt. Der Boss vom Ganzen ist eine bitterböse Komödie über den zynischen Umgang mit Angestellten, Entscheidungen, die die Belegschaft existentiell betreffen, werden verantwortungslos und ohne Transparenz gefällt. Aber auch die Schauspielerzunft bekommt ihr Fett weg.<< ausblenden
PREMIERE: 5. JUNI 2010
THEATER AM ALTEN MARKT












