George und Ira Gershwin
Crazy for You
»Junge, mach mal was Ordentliches« wie viele Söhne kennen die
elterliche Direktive, doch endlich einen einträglichen und
standesgemäßen Beruf anzustreben. Auch Bobby Child, Sohn eines New
Yorker Bankers, hat die Nase voll davon – und er zieht sein Ding
durch: Er will zum Broadway!>> mehr
Ironischerweise findet er den
entscheidenden Dreh dafür auf einem Trip in das Wüstenkaff Dead Rock,
in dem er eine Hypothek eintreiben soll. Die betreffende Immobilie
nämlich erweist sich als ein altes Theater! Bobbys Herz schlägt höher,
und als er sich auch noch in Polly verliebt, die einzige Frau am Ort,
beschließt er, das Theater zu retten. Wobei natürlich ein paar Hürden
zu nehmen sind. Das Vertrauen Pollys und der Cowboys gewinnt er
schnell, indem er einfach in die Rolle des berühmten
Broadway-Produzenten Zangler schlüpft und aus New York ein paar
knackige Revue-Girls anheuert. Doch dann verliebt sich Polly in den
falschen Zangler, und nicht nur Bobbys Verlobte erscheint aus dem
Nichts, sondern auch der echte Zangler.
Crazy for you basiert auf George Gershwins Musical Girl Crazy (1930),
das durch Hits wie »I got Rhythm«, »Embraceable you« und »Tonight’s
the night« unsterblich wurde. Eine wunderbare Melange aus mitreißenden
Stepp-Nummern, Sentiment und Situationskomik.<< ausblenden
musikalische leitung: William Ward Murta
Inszenierung: Olaf Strieb
Premiere: 5. September 2009
Stadttheater Bielefeld
GIUSEPPE VERDI
FALSTAFF
John Falstaff ist pleite und abenteuerlustig. Er schmeichelt sich mit zwei fingierten Liebesbriefen in die Gunst der vermögenden Bürgersfrauen Alice Ford und Meg Page. Doch die beiden durchschauen den Alten und beschließen, ihm – und zugleich ihren Ehemännern – gehörig eins auszuwischen.>> mehr Am Ende seiner Laufbahn wandte sich Verdi einem Genre zu, an das er nur schlechte Erinnerungen haben konnte, endete seine bis dahin einzige komische Oper Il giorno di regno 1840 doch in einem Fiasko. Und doch war Falstaff für seinen Abschied von der Bühne der perfekte Stoff: Ist Sir John nicht auch einer von jenen Außenseitern, die schon immer im Zentrum von Verdis musikalischer Wahrheitssuche standen? Bot nicht die Figur, die lustvoll die Koordinaten der bürgerlichen Idylle in Windsor unterminiert, um von ihren Bewohnern dann gnadenlos verspottet zu werden, ür Verdi beste Voraussetzungen, die Erfahrungen seines langen Künstlerlebens zu resümieren? Die Oper ist eine szenisch – musikalische Wundertüte, präzise komponiert und randvoll mit Theater. Sie ist Abschied und Neudefinition zugleich, denn wo sonst findet sich solch ein geheimnisvolles Gleichmaß von Heiterkeit und Melancholie?<< ausblenden
MUSIKALISCHE LEITUNG: PETER KUHN
INSZENIERUNG: NICHOLAS BROADHURST
PREMIERE: 10. OKTOBER 2009
STADTTHEATER BIELEFELD
EMMANUEL CHABRIER
L'ETOILE
König Ouf I. ist frustriert: Seine Untertanen sind politisch so unterentwickelt, dass sich partout kein Oppositioneller finden lassen will. Dabei braucht er dringend ein Hinrichtungsopfer für das große Volksfest zu seinem Namenstag. Als er in dem fliegenden Händler Lazuli endlich einen Staatsfeind entdeckt zu haben glaubt, sagt ihm sein Hofastrologe Siroco voraus, dass dessen Schicksal untrennbar mit dem des Königs verknüpft sei – folglich auch sein Ableben. Umgehend wird aus dem Delinquenten ein verhätschelter Schützling, dem die Gründe für seine plötzliche Palast-Karriere allerdings verborgen bleiben.>> mehr Ihn ärgert lediglich, dass er nun seiner neuen Liebe nicht nachspüren kann, die mit einer inkognito! reisenden Abordnung des Nachbarlands eingetroffen ist. Was Lazuli nicht weiß: Die Schöne ist Prinzessin Laoula, die aus Staatsräson erkorene Braut des Königs Ouf. Das kann ja heiter werden! Man muss nicht Jacques Offenbach bemühen, um die Komik Emmanuel Chabriers und seine auserlesene musikalische Sprache zu charakterisieren – aber es hilft. L'Etoile ist eine echte Trouvaille: Num-mern wie das »Kitzelterzett« oder das »Schnupfenduett« zeugen von Chabriers brillanter Ironie, die L'Etoile zu einem Meisterwerk der französischen Opéra-bouffe werden ließ.<< ausblenden
MUSIKALISCHE LEITUNG: PETER KUHN
INSZENIERUNG: ROBERT LEHMEIER
PREMIERE: 17. NOVEMBER 2009
STADTTHEATER BIELEFELD
GEORGES BIZET
CARMEN
Bizets letztes Werk ist eine der weltweit populärsten Opern. Carmen erzählt Elementares über das Wesen von Liebe und Tod und liefert Urbilder fürs Privatleben wie für die Kunst. Sie formuliert Zustände und Emotionen, die jeder kennt. Die Hauptfiguren taugen alle zum Sinnbild archaischer Bedürfnisse, allen voran Carmen selbst: Wie ein erotisch aufgeladener Magnet ist sie Wunschbild und Verhängnis. Sie ist die »Femme fatale«, der amoralische Gegenentwurf zum Bürgertum. Ihr Anderes, ihre weibliche Sprengkraft, gefährdet die männliche, »vernünftige« Ordnung, der sie schließlich selbst zum Opfer fällt.>> mehr Repräsentant dieser Ordnung ist Don José, der Carmen verfallen ist, das bürgerliche Ideal der Treue aber nicht abstreifen kann. Seine Verlobte Micaela vertritt die sorgende Liebe und ist der lyrische Gegenpol zum »Raubtier« Carmen. Die Heilige und die Hure tragen in Don Josés Herzen einen unerbittlichen Kampf aus. Sein äußerer Gegner aber ist Escamillo, der nur für den Kampf lebt; der Kampf mit dem Tier und um die Frau. Besitzen interessiert ihn nicht.<< ausblenden
MUSIKALISCHE LEITUNG: LEO SIBERSKI
INSZENIERUNG: HELEN MALKOWSKY
PREMIERE: 23. JANUAR 2010
STADTTHEATER BIELEFELD
NAN KNIGHTON – FRANK WILDHORN
THE SCARLET PIMPERNEL
Paris und England zur Zeit der französischen Revolution. Soeben hat Sir Percy Blakeney die französische Schauspielerin Marguerite geheiratet, da wird ihm hinterbracht, dass sie seinen Freund, den Marquis de St. Cyr, verraten und damit ans Messer geliefert habe. Tief verunsichert hält Blakeney den Schein der Ehe aufrecht, gründet aber heimlich ein Untergrundkommando. Bei Nacht und Nebel fährt es nach Paris, um von der Guillotine bedrohte Adelige zu befreien. Als Erkennungszeichen dient ihm das Siegel des Scarlet Pimpernel.>> mehr In England ahnt niemand etwas von Blakeneys Doppelleben, sein Auftreten als Dandy sichert ihm das Alibi, in Frankreich nach den neuesten Moden Ausschau zu halten. Blakeneys gefährlichster Gegenspieler ist der Exliebhaber seiner Frau, Chauvelin. Als rechte Hand Robespierres macht er gnadenlos Jagd auf die »oberen Zehntausend« des Ancient Régime; die Erfolge des Scarlet Pimpernel bringen ihn zur Weißglut. Als ihm Marguerites Bruder Armand in die Hände fällt, fasst Chauvelin einen teuflischen Plan, um Scarlet Pimpernel und seine Freunde zu vernichten. Nach Jekyll & Hyde schrieb Frank Wildhorn für dieses Mantel – und – Degen – Musical eine opulente, Pop orientierte Musik. Mit sicherem Gespür für Witz, Kolorit und ohrwurmverdächtigen Melodien illustriert er die historische Szenerie und die großen Gefühle der Figuren.<< ausblenden
MUSIKALISCHE LEITUNG: WILLIAM WARD MURTA
INSZENIERUNG: ROLAND HÜVE
PREMIERE: 6. MÄRZ 2010
STADTTHEATER BIELEFELD
ALBERT LORTZING
DER WILDSCHÜTZ
Um seine Hochzeit gebührend feiern zu können, hat Dorflehrer Baculus einen Bock geschossen – dummerweise im Forst des Grafen Eberbach, der ihn prompt erwischt hat und nun suspendieren will. Da hilft nur eins: Gretchen, des Baculus Braut, soll den Grafen um Gnade anflehen, denn der hat eine Schwäche für hübsche junge Frauen. Dies lässt Baculus zaudern. Zum Glück kommt ein Student des Wegs, der dem ratlosen Schulmeisterpaar anbietet, als Gretchen verkleidet beim Grafen vorzusprechen.>> mehr Der Student ist in Wahrheit die Baronin Freimann, die ohnehin ihren gräflichen Bruder inkognito besuchen und dabei einen Herrn näher inspizieren möchte, den der Graf ihr als Ehekandidaten andienen will: den Baron Kronthal. Der wiederum verliebt sich in das falsche Gretchen und wirbt gegen fünf Tausend Taler beim Schulmeister um ihre Hand. Baculus kann sein Glück kaum fassen und will ihm seine echte Braut sofort verkaufen. Eine grandiose Verwirrung der Herzen bahnt sich an, und würde nicht letztendlich der erlegte Bock sich als des Schulmeisters eigener Esel herausstellen, es nähme wohl ein schlimmes Ende. Albert Lortzings reifstes Bühnenwerk ist ein frivoles Satyrspiel mit bitterbösen Seitenhieben gegen die schlüpfrige Moral des Adels und der Habgier der Kleinbürger.<< ausblenden
MUSIKALISCHE LEITUNG: WILLIAM WARD MURTA
BÜHNE UND KOSTÜME: ROLAND HÜVE
PREMIERE: 22. MAI 2010
STADTTHEATER BIELEFELD
ALEXANDER ZEMLINSKY
DER KÖNIG KANDAULES
»Der sein Glück hält, soll sich gut verstecken! Und besser noch, sein Glück vor andern.« Alexander Zemlinskys beginnt mit einer moralischen Sentenz, die der Fischer Gyges zu sich selbst spricht. Am Ende des Dramas ist Gyges zum Mörder an König Kandaules geworden und übernimmt an der Seite von Königin Nyssia die Herrschaft über dessen Reich. Zwischen diesen beiden Polen spielt sich ein Drama ab, das Krimi, psychologisches Kammerspiel und Studie über das Wesen von Glück zugleich ist. Und mit dem Zemlinsky einen fulminanten Schlusspunkt unter sein Opernschaffen setzte.>> mehr Für Kandaules ist es das größte Glück, seinen Besitz mit anderen zu teilen. So lässt er seine Höflinge in vollen Zügen an seinem Reichtum teilhaben. Doch Kandaules will mehr: Als er sich mit Gyges anfreundet, kommt er auf den infamen Gedanken, auch sein größtes »Gut«, seine Frau, mit ihm zu teilen. Gyges wird heimlicher Zeuge des Liebesspiels von Kandaules und Nyssia. Auf einmal verlässt Kandaules das Lager, doch die Nacht ist noch nicht zu Ende. Zemlinsky hat Der König Kandaules 1935 bis 1938 in Wien in der Partiturskizze vollständig komponiert, konnte die Instrumentation jedoch vor seiner Flucht vor den Nazis nach New York nicht mehr fertig stellen. In den 90er Jahren wurde die Partitur von Anthony Beaumont vollendet und 1996 in Hamburg mit großem Erfolg uraufgeführt.<< ausblenden
MUSIKALISCHE LEITUNG: PETER KUHN
BÜHNE UND KOSTÜME: BIRGIT KRONSHAGE
PREMIERE: 19. JUNI 2010
STADTTHEATER BIELEFELD